<?xml version='1.0' encoding='UTF-8'?><?xml-stylesheet href="http://www.blogger.com/styles/atom.css" type="text/css"?><feed xmlns='http://www.w3.org/2005/Atom' xmlns:openSearch='http://a9.com/-/spec/opensearchrss/1.0/' xmlns:georss='http://www.georss.org/georss' xmlns:gd='http://schemas.google.com/g/2005' xmlns:thr='http://purl.org/syndication/thread/1.0'><id>tag:blogger.com,1999:blog-9212848</id><updated>2011-04-21T21:25:56.557-07:00</updated><title type='text'>Opa war kein Nazi</title><subtitle type='html'></subtitle><link rel='http://schemas.google.com/g/2005#feed' type='application/atom+xml' href='http://oral-history.blogspot.com/feeds/posts/default'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/9212848/posts/default?max-results=100'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://oral-history.blogspot.com/'/><link rel='hub' href='http://pubsubhubbub.appspot.com/'/><author><name>AG_Antifa</name><uri>http://www.blogger.com/profile/06691929900094074886</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><generator version='7.00' uri='http://www.blogger.com'>Blogger</generator><openSearch:totalResults>1</openSearch:totalResults><openSearch:startIndex>1</openSearch:startIndex><openSearch:itemsPerPage>100</openSearch:itemsPerPage><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-9212848.post-110073912795899966</id><published>2004-11-17T15:01:00.000-08:00</published><updated>2004-11-17T20:44:51.743-08:00</updated><title type='text'>Alles Nazi ausser Opa</title><content type='html'>&lt;p&gt;&lt;span style="font-family:arial;"&gt;&lt;strong&gt;&lt;em&gt;Seit Jahrzehnten schon veranstalten deutsche Neonazis unter dem Motto "Opa war kein Verbrecher" Aufmärsche im gesamten Bundesgebiet. Laut einer zeitgeschichtlichen Studie, kommt eine breite deutsche Bevölkerungsschicht auf völlig anderen Weg zum gleichen Ziel "Opa war kein Nazi".&lt;/em&gt;&lt;/strong&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;span style="font-family:arial;"&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;img src="http://www.iteam-deutschland.de/bilder/opa.jpg" /&gt; &lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size:85%;"&gt;&lt;em&gt;Aufkleber zur revsionistischen Neonazikampagne&lt;/em&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Im Jahr 2002 führte das Meinungsforschungsinstitut Emnid eine repräsentative Umfrage durch, Thema war die Geschichte [1], die sich in deutschen Familien über die Zeit des Nationalsozialismus erzählt wird. Nachfolgende Generationen machten sich dabei folgendes Bild über das Handeln ihrer Eltern und Grosseltern in dieser Zeit:&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;em&gt;26 Prozent der Angehörigen haben Verfolgten geholfen&lt;br /&gt;17 Prozent der Angehörigen haben immer den Mund aufgemacht, wenn es darum ging, Unrecht beim Namen zu nennen&lt;br /&gt;13 Prozent der Angehörigen waren im Widerstand aktiv;&lt;br /&gt;4 Prozent waren dem Ns gegenüber "eher positiv" eingestellt&lt;br /&gt;3 Prozent waren antijüdisch eingestellt&lt;br /&gt;2 Prozent haben den NS als "sehr positiv" empfunden&lt;br /&gt;1 Prozent der Angehörigen war an Verbrechen beteiligt&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="color:#990000;"&gt;&lt;span style="color:#ffcc00;"&gt;Weniger Wissen= mehr Verdrängung?&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;In den Jahren 1997-2000 führten die AutorInnen des &lt;blogitemurl&gt;&lt;a href="http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3596155150/qid=1100736460/302-8826371-2574421"&gt;Buches&lt;/a&gt;&lt;/blogitemurl&gt; "Opa war kein Nazi", mit 40 Familien 182 Gespräche und hörten sich dabei über 2.500 Geschichten über diese Zeit an. Sie sprachen mit der ganzen Familie, erst allein mit den Grosseltern, dann den Eltern und schliesslich den Enkelkindern, am Ende gab es ein gemeinsames Interview. Und sie kamen immer wieder zu einem ähnlichen Ergebnis, kein lexikalisches Wissen und keine höhere Schulbildung kann an dem Bild rütteln, das die Interviewten (und diese repräsentativ für die Mehrheit der deutschen Bevölkerung) von ihren (Gross-)Eltern haben. Im Gegenteil, umso höher der Bildungsgrad, umso mehr Wissen es über die Greueltaten der Nazis gibt, desto grösser scheint der Drang zu sein die eigene Familie davon auszunehmen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="color:#ffcc00;"&gt;Oma ist die Beste!&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;Die Erfahrungen, die mit den liebenden, fürsorglichen Grosseltern gemacht werden, spielen dabei eine wichtige Rolle, dafür ein Beispiel aus dem Buch:&lt;br /&gt;Die 91-jährige Frau Krug berichtet davon, wie sie in den Nachkriegstagen durch Tricks die Einquartierung befreiter Juden aus Bergen Belsen auf ihrem Hof verhindern konnte und spricht noch heute davon, daß "die Juden (S. S.) ganz widerlich warn". Ihr Sohn Bernd Hoffmann erinnert dagegen an die Geschichte einer benachbarten Bäuerin, von der gemunkelt wurde, dass sie Flüchtlinge aus dem nahengelegenen Konzentrationslager versteckt habe. Die 26-jährige Enkelin fügt im anschließenden Gespräch Teile beider Geschichten so zusammen, dass ihre Oma Elli Krug plötzlich als couragierte stille Heldin dasteht. Sie berichtet von einem geflohenen KZ-Häftling den die auf ihrem Hof versteckt gehalten habe: "Und es kamen halt auch Leute und haben den gesucht bei ihr auf´m Hof und sie hat da echt dicht gehalten, und das find ich, ist so ´ne kleine Tat, die ich ihr wohl echt total gut anrechne, so." Die Wissenschaftler sprechen hierbei vom "emotionalen" Geschichtsbewusstsein, dass vornehmlich per oral history [2] innerhalb der Familie geprägt wird. Im Gegensatz dazu steht das in der Schule vermittelte "Geschichtswissen". Ersteres sei der Rahmen um zweiteres einzuordnen und einen Umgang mit dem zu finden was Oma und Opa so erzählen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="color:#ffcc33;"&gt;Sprechen ohne etwas zu sagen&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;Als ein weiterer Grund für die Entstehung oben genannter Zahlen wird das sogenannte "leere Sprechen" angesehen. Also das Reden und Erzählen ohne nähere Angaben zu den Umständen, zum historischen Kontext, ohne die klare Benennung von Opfern und Tätern. Derartige Lücken wurden oftmals auch durch Szenen geschlossen, die aus Filmen wie "Die Brücke" wohlbekannt sind. Dies wirkt bei gleichzeitiger Überbetonung von Widersprüchen und Konflikten mit den ,,Machthabern'' (wer kam schon mit Parteibonzen klar) oder kleiner Abweichungen vom nationalsozialistischen Kanon (das Grüßen eines jüdischen Nachbarn) so, dass selbst Zeitgenossen, die sich einst offen zum Nationalsozialismus oder der Beteiligung an NS-Verbrechen bekannten, schließlich zu Widerständlern werden. Weiterhin sehen es die BuchautorInnen als problematisch an, dass "Merkmale aus Geschichten von Holocaust-Opfern für deutsche Leidensgeschichten in Anspruch genommen" werden würden. Dabei werden Deutsche Soldaten von Russen "wie Kühe" in "Viehwagen" transportiert oder müssen sich zwecks "Selektion" in einer Reihe aufstellen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="color:#ffcc00;"&gt;The future is unwritten&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;All das wirft einen Schatten auf die so hoch geschätzte deutsche Erinnerungskultur. Das Wissen ist da, aber damit wird um die eigene Familie ein weiter Bogen gemacht. Es geht eben nicht nur um "Faktenwissen", es reicht nicht aus nur zu wissen wie hoch die verschiedenen Opferzahlen sind oder wann Nazi-Deutschland welches Land angegriffen hat. All das kann nur die Grundlage bilden, die Grundlage für ein viel tiefer reichendes Denken, das in der Lage ist sich kritisch auseinanderzusetzen mit dem was ihm angeboten wird im trauten Familienkreis. Dazu gehört ebenfalls eine intensivere Vermittlung moralischer Wertvorstellungen im zB Schulalltag. Ohne diese ist die Chance bedeutend grösser, dass die Greuel des Holocaust und die des zweiten Weltkrieges an einem Menschen vorbeiziehen, lediglich gespeichert werden zwischen dem ersten Weltkrieg und dem Koreakrieg. Ohne Wirkung auf das tägliche Leben. Dabei können Mahnmale und Gedenkveranstaltungen nur die Rolle von Symbolen übernehmen, die nach Aussen tragen und kollektiv erfahrbar machen, was innerlich aufgearbeitet wurde. Als Selbstzweck taugen sie wenig. Es gilt mittels eines kritischen Antifaschismus "die Welt so einzurichten, dass Auschwitz nie wieder sei und nichts ähnliches sich wiederhole“[Theoder W. Adorno].&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-size:85%;"&gt;[1] Das Wort Geschichte wird hier ohne negative Eigenschaften gebraucht, sondern im Sinne des Wortes "Lebensgeschichte". Mit "Märchen erzählen" hat es in diesem Zusammenhang nichts gemein.&lt;br /&gt;[2] oral history= mündlich weitergetragene Geschichte&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/9212848-110073912795899966?l=oral-history.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://oral-history.blogspot.com/feeds/110073912795899966/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=9212848&amp;postID=110073912795899966' title='3 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/9212848/posts/default/110073912795899966'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/9212848/posts/default/110073912795899966'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://oral-history.blogspot.com/2004/11/alles-nazi-ausser-opa.html' title='Alles Nazi ausser Opa'/><author><name>AG_Antifa</name><uri>http://www.blogger.com/profile/06691929900094074886</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>3</thr:total></entry></feed>
